Simplify3D Logo (Quelle: Simplify3D.com)
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Simplify3D als Slicer für den 3D-Druck

Wesentlich für den Erfolg beim 3D-Druck ist die Slicing-Software: Sie ist in der Toolchain dafür verantwortlich, das 3D-Modell in Befehle für den Drucker zu übersetzen. Die Auswahl an Tools wird immer umfangreicher – und damit auch die Entscheidung schwieriger, mit welchem Slicer man drucken möchte. In diesem Artikel möchte ich zeigen, warum ich mich für Simplify3D entschieden habe.

Die Slicing-Software übernimmt eine komplexe Aufgabe beim 3D-Druck. Der Drucker kennt nur einfache Befehle, wie „Positioniere den Extruder an Position X/Y“, „Extrudiere Filament“ oder „Bewege die Z-Achse“, ein 3D-Modell ist dem Drucker selbst unbekannt. Die Slicing-Software verbindet beides miteinander und erzeugt aus dem Modell die einzelnen Befehle für den Drucker. Dazu zerteilt („sliced“) die Software das Modell der Höhe nach in einzelne Schichten – diese entsprechen später am Drucker einem Sprung an der Z-Achse. Für jede Schicht erzeugt der Slicer Befehle, mit denen der Drucker die Scheibe des Modells möglichst gut abbildet.

Was war bisher in Verwendung?

Modell in ReplicatorG

Modell in ReplicatorG

Nachdem ich mir den Flashforge Creator gekauft habe, bin ich erst einmal nach der beigefügten Anleitung vorgegangen: Der Vorschlag war, ReplicatorG zu verwenden, der als Slicer Skeinforge benutzt. Über die Oberfläche von RepicatorG sind jedoch nur wenige Parameter des Slicers zugänglich: Druckgeschwindigkeit, Geschwindigkeit für Bewegungen, Schichtdicke und ob ein Raft (Untergrund) gedruckt werden soll. Die meisten Parameter können über Slicing-Profile oder Textdateien verändert werden.

Mit dieser Toolchain hatte ich häufig das Problem, dass der Druck fehlgeschlagen ist: ohne Raft hat das Modell kaum auf dem Druckbett gehalten. Habe ich mit Raft gedruckt, hat zwar das Modell gut auf dem Druckbett gehaftet, aber dafür konnten die Raft-Strukturen nach dem Druck kaum vom Modell gelöst werden.

Modell in Slic3r

Modell in Slic3r

Deshalb musste ein anderes Werkzeug her und ich habe Slic3r ausprobiert. Damit ließen sich die Probleme mit der Haftung schon sehr gut in den Griff bekommen. Modelle mit Überhängen und aufwändigen Support-Strukturen waren jedoch noch weiterhin ein Problem: Mit Slic3r konnte nur festgelegt werden, dass Support generiert werden soll, aber nicht wo. Das führte öfters dazu, dass Support nicht wie erwartet generiert wurde. Besonders bei innen liegenden Teilen waren die Support-Strukturen auch schwer oder gar nicht mehr zu entfernen.

Die einzige Möglichkeit zur Lösung wäre gewesen, an dem Modell selbst kleine Support-Teile anzubringen und auf Support-Strukturen von Slic3r zu verzichten.

Simplify3D

Modell in Simplify3D

Modell in Simplify3D

Bei meiner Recherche nach Alternativen bin ich dann schließlich auf Simplify3D gestoßen. Das war die erste proprietäre Software, die ich mir angesehen habe – ReplicatorG und Slic3r waren Open Source.

Auf Youtube bin ich über ein Video gestoßen, bei dem gezeigt wurde, wie einfach sich der Support vom fertigen Druck ablösen lässt.

Davon begeistert wollte ich mir die Software näher ansehen und habe sie mir schließlich gekauft. Bisher habe ich bei der Verwendung gegenüber anderen Slicern folgende Vor- und Nachteile gefunden:

Vorteile

  • Support. Das ist für mich der wichtigste Vorteil: In Simplify3D lassen sich Support-Strukturen dort erzeugen, wo man sie haben will. Passen die automatisch erzeugten Supports nicht, kann man mit ein paar Klicks Teile davon entfernen oder Support dort hinzufügen wo man ihn noch benötigt. Nach dem Druck lassen sich die Hilfsteile meistens einfach ablösen, wenn auch nicht immer so einfach wie im Video gezeigt.
  • Vorschau. Was am Drucker passiert kann in der Software Linie für Linie nachvollzogen werden. Dazu gibt es neben der Ansicht der 3D-Modelle auch eine Ansicht für den Druck. Mit einem Slider kann kontrolliert werden, ob man mit dem Druck so zufrieden ist. Ich kontrolliere jeden Druck vorab in dieser Ansicht – damit spare ich mir inzwischen einen Großteil der früheren Fehlversuche.
  • Platzierung. Modelle können sehr einfach ausgerichtet und auf dem Druckbett platziert werden, zusätzlich hilft eine Funktion zur automatischen Verteilung mehrerer Teile auf dem Druckbett weiter.
  • Haftung. Auf den ersten Layer kommt es beim 3D-Druck an – ist dieser gut und solide aufgebracht, ist schon sehr viel erreicht. Durch einen dickeren ersten Layer haften bei meinem Drucker bisher alle Modelle sehr gut an. Ein ähnlich gutes Ergebnis konnte ich bisher nur mit Slic3r erreichen.
  • Feine Kontrolle. Beim Druck von PLA benötige ich hauptsächlich für die ersten Layer einen wärmeren Untergrund, damit der Druck besser haftet. In den Einstellungen kann ich festlegen, bei welchen Layern welche Temperatur für das Druckbett geregelt werden soll. Auch für die Extruder kann die Temperatur pro Layer festgelegt werden.

Nachteile

  • Preis. Im Gegensatz zu den anderen Slicern kostet eine Lizenz von Simplify3D USD 140,-. Das ist kein kleiner Posten für jemanden, der 3D-Druck als Hobby betreibt. In Relation zur gebotenen Leistung finde ich den Preis aber durchaus in Ordnung.
  • Keine Demoversion. Schade finde ich, dass es keine Testversion gibt. Man muss also die Katze im Sack kaufen, was sicher viele potenzielle Kunden davon abhält eine Lizenz zu erwerben. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, das Tool im Voraus auszuprobieren, wäre mir die Entscheidung für den Kauf wesentlich leichter gefallen.
  • Füllmuster. Im Forum von Simplify3D wurde von einigen Anwendern bemängelt, dass für Infill (also das Auffüllen innen) kein Wabenmuster zur Verfügung steht. Allerdings ist man sich auch nicht einig, wie weit das Wabenmuster den verfügbaren Diagonalen gegenüber wirklich von Vorteil ist.

Fazit

Mit den Open Source Tools für den 3D-Druck kommt man inzwischen wirklich sehr weit. Wer aber noch ein Quäntchen mehr an Leistung und Komfort haben möchte, kommt um eine Kaufversion nicht herum. Ich habe mich für Simplify3D entschieden, weil ich mir vom generierten Support viel erhofft habe – und ich wurde nicht enttäuscht. Damit war für mich der Kaufpreis von USD 140,- in Ordnung. Etwas leichter wäre mir die Entscheidung für den Kauf allerdings gefallen, wenn ich die Software vorab hätte testen können.

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  1. […] 21.12.2014: Inzwischen verwende ich zum Slicen die Software Simplify3D, die ich in diesem Beitrag näher beschrieben […]

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