Motor-Aus-Schalter kann Finger retten

Aus aktuellem Anlass ist es mir ein Anliegen die Notwendigkeit eines Motor-Aus-Schalter bei E-Motormodellen anzusprechen. Die Gefahrensituation die ich damit in Zukunft vermeiden möchte, ist ein anlaufen des Motors durch versehentliche Betätigung des Gashebels zB beim Akkutausch. Dieses Foto wurde gestern aufgenommen, nach einem versuchten Akkutausch bei dem der Motor versehentlich angelaufen ist und glücklicherweise nur den Sender und die Werkzeugkiste erfasst hat . Welche Möglichkeiten ich gefunden habe um so etwas zukünftig zu vermeiden möchte ich im Folgenden kurz erklären.

Wie es zu dem Crash kam

Graupner MX-20 abgehackter Schalter durch Propeller

Resultat Propeller vs. Metallschalter MX-20

Kurz der Ablauf dieses Crashs am Boden: Da die Deans-Steckerverbindung manchmal relativ schwer zu lösen ist, musste ich das Modell aufheben. Der Sender war dabei eingeschalten, streng nach der Regel „Zuerst das Modell ausschalten, danach erst den Sender“ versuchte ich zuerst den Akku abzustecken. Den Sender, meine MX-20, habe ich in einem Pult mit einem Kreuzgurt umgehängt. Eignet sich damit leider nicht gut, um den Sender bei jedem Akkutausch schnell in sicherem Abstand abzulegen. Beim Aufheben  der Katana, um den Akkustecker besser greifen zu können, verstellte eine Flügelspitze den Motorknüppel am Sender auf Vollgas. Daraufhin krachte die Katana in die nebenstehende metallene Werkzeugkiste was dem Propeller sichtlich zugesetzt hat. Auf dem kurzen Weg dorthin war auch die MX-20 im Weg und ein Metallschalter wurde dabei sauber abgetrennt. Zu meinem großen Glück waren meine Finger nicht im Weg, mir selbst ist dabei nichts passiert. Dennoch möchte ich diese Gefahrensituation in Zukunft weitestgehend vermeiden.

Absicherung Variante 1 – Sender aus

Nur empfehlenswert bei 2,4 GHz Sendern:  Sender einfach abschalten vor dem Akkutausch. Ein versehentliches Andrehen des Motors geschieht erst dann, wenn man versehentlich den Sender wieder einschaltet und zusätzlich versehentlich den Gasknüppel verstellt. Damit erhöht verringert man die Wahrscheinlichkeit eines versehentlichen Anlaufen des Motors erheblich.

Regeln brechen

Graupner MX-20 Sender ausgeschalten

Sender ausschalten bei 2.4GHz Systemen

Die Regel „Zuerst Modell abschalten, dann den Sender“ habe ich dabei offensichtlich gebrochen. Grund dafür ist, dass diese Regel historisch bedingt ist und aus der Zeit kommt wo 35-40MHz der defakto Standard war. Bei diesen Systemen fand die Modell-Senderzuordnung über Quartzpaare statt. Die Gefahr die diese Regel anspricht, ist eine Übernahme der Steuerungshoheit des Modells durch andere Sender in der Umgebung, die eine gleiche Quartzpaarung einsetzen.

Bei 2,4 GHz Systemen werden  Modell und Sender ähnlich bei einer Bluetooth Verbindung miteinander gepaart. Eine Übernahmen des Modells durch einen anderen nicht gepaarten Sender ist daher auszuschließen. Das bedeutet, auch wenn der Sender ausgeschalten wird, wird der 2,4 GHz Empfänger keine Signale von anderen Sendern annehmen. Ohne Pairing kann daher kein anderer Sender das Modell steuern und damit auch nicht den Motor hochdrehen.

Versehentliches Pairing bei 2,4 GHz Systemen möglich?

Die kurze Antwort: Nein. Ein versehentliches Pairing von Sender und Modellen ist bei allen mir bekannten 2,4 GHz Systemen nicht möglich. Die Systeme müssen alle explizit und manuell in den Pairing-Modus geschalten werden. Über einen Knopf, Schalter oder Jumper am Empänger wird dieser in den Pairing-Modus geschalten. Erst danach kann ein Sender mit dem Empfänger eine Paarung ausmachen. Selbst wenn man versehentlich in diesen Paarungsmodus schalten sollte, so ist dieser Modus nur in einem sehr kleinen Zeitraum aktiv (üblicherweise wenige Sekunden). Danach muss der Empfänger durch stromlos machen, neugestartet werden um erneut in den Pairing-Modus geschalten zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem kleinen Zeitraum ein anderer Sender das Pairing ausführt, ist sehr gering.

Aber angenommen, dass die Hauptgefahrenquelle vom Propeller ausgeht und all diese Unwahrscheinlichkeiten eintreten, dann ist zwischen Propeller und Empfänger immer noch der Motorregler. Sollte es also zu einem versehentlichen Pairing gekommen sein, und die Gefahr ginge von einem 100% gestellten Motorknüppel aus, so wird der Regler ein versehentliches andrehen des Motors automatisch verhindern. Motorregler haben üblicherweise eine Sicherheitsfunktion die beim Einschalten prüft, ob das Motorsignal größer 0% ist. Ist das Motorsteuersignal durch einen Knüppelstellung also auf Gas (= größer als 0%), so ignoriert der Regler das Signal, dreht den Motor also nicht an und gibt ein akustisches Warnsignal.

Fazit Variante 1

Der Vorteil dieser Variante ist, dass sie mit allen 2,4 GHz Systemen einfach umsetzbar ist. Der Hauptnachteil ist im Ausschalten des Senders zu sehen. Abgesehen davon, dass heutzutage das Einschalten und – bei Computersystemen – das Starten des Senderbetriebssystems ein paar Momente dauert, ist mit abgeschaltetem Sender auch nichts anzufangen. Möchte man zB kurzerhand Vorort ein Problem bei den Servos nachgehen, dann kann man mit dieser Variante nicht die Servos mit den Sender ansteuern ohne damit auch Gefahr zu laufen auch den Motor versehentlich hochzudrehen. Eine Lösung die dieses Manko ausmerzt ist Variante 2.

Absicherung Variante 2 – Motor-Aus-Schalter

Graupner MX-20 Motor-Aus-Schalter

Sichere Motor-Aus-Schalter Position gegenüber Gasknüppel

Die Variante 2 sieht einen „Engine Cut“-Schalter oder auch „Motor-Aus-Schalter“ vor. Hat man einen Sender mit programmierbaren Schaltern, kann man einen Schalter dazu verwenden den Motor auszuschalten. Der Schalter muss für den Zweck so programmiert werden, das bei aktivierten Schalter, der Gasknüppel keinen Einfluss mehr auf den Motor haben kann. Will man jetzt den Akku tauschen, kann man den Sender eingeschalten lassen, und muss nur den Motor-Aus-Schalter aktivieren. Dadurch bleibt ein versehentliches betätigen des Gasknüppels ohne Wirkung. Um eine Gefahrensituation zu erzeugen, müssten also sowohl versehentlich der Motor-Aus-Schalter deaktiviert werden als auch der Gasknüppel versehentlich verschoben werden.

Idealerweise wählt man die Position des Motor-Aus-Schalter so, das der Gasknüppel möglichst weit entfernt ist. Umsetzen kann man einen Motor-Aus-Schalter zB mit einem Offset von -100% bei aktiviertem Motor-Aus-Schalter.

Fazit Variante 2

Die Variante 2 ist sicher aufwendiger umzusetzen, man muss den Sender dementsprechend programmieren und verbraucht dadurch auch einen Schalter auf seinem Sender. Der Vorteil gegenüber Variante 1, man kann weiterhin zB die Servos Vorort testen und gleichzeitig das Risiko eines versehentlichen Hochdrehens des Motors drastisch verringern.

Zusammengefasst

Ich persönlich tendiere zu Variante 2 weil ich damit  den Sender nicht ausschalten muss um Sicherheit zu haben. Wie ich diese Funktion konkret bei der Graupner MX-20  programmieren werde ist noch offen. Ich bin sehr froh, dass dieser Boden-Crash gestern so glimpflich ausgegangen ist und hoffe, dass ich mit den erklärten Varianten nie wieder in so eine Situation komme und vielleicht auch euch solche Schreckmomente ersparen kann.

Mit den Worten von Stephan Rossegger:

 

Wie löst ihr dieses Problem? Gibt es eine Variante 3? Seht ihr Schwachstellen bei den gezeigten Varianten?

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