Landung in Maribor

Meine erste Landung mit einem Sportflugzeug

Wie schwierig ist es eigentlich für einen Modellpiloten ein Sportflugzeug zu landen? Zunächst habe ich im Netz zu dem Thema recherchiert. Dabei wollte ich es aber nicht bewenden lassen und zum Glück hatte ich nun die Gelegenheit, mich selbst an einer Landung zu versuchen. Wie im letzten Artikel angekündigt kommt heute der ausführliche Bericht dazu.

Der Ablauf

Fluglehrer Thomas Pretterhofer

Fluglehrer Thomas Pretterhofer

Gemeinsam mit Thomas Pretterhofer von CockpitFriends bin ich dem Thema nachgegangen. Er ist erfahrener Pilot, hat seit mehr als 10 Jahren den Privatpilotenschein (PPL) und mehr als 600 Flugstunden sowie 1200 Landungen bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Außerdem ist er ausgebildeter Fluglehrer und hat auch Erfahrung mit Neulingen an den Steuerflächen.

In Kapfenberg ist Thomas Mitglied beim Motorflugverein, wo wir uns das dortige Schulungsflugzeug ausgeliehen haben: eine Katana DA20. Diese haben wir mit vier GoPro-Kameras und einem Audiorekorder für das Intercom ausgestattet. So konnten wir unser Experiment gut dokumentieren.

Vom Flugplatz Kapfenberg (LOGK) aus haben wir uns auf nach Maribor (LJMB) gemacht. Der Flughafen in Maribor hat eine 45 Meter breite und 2500 Meter lange, asphaltierte Piste – im Vergleich dazu hat Kapfenberg eine 600 Meter lange Graspiste. Damit hatten wir genügend Platz für unser Experiment. Unter der Aufsicht von Thomas konnte ich dort dann insgesamt vier Landeversuche unternehmen und natürlich hat er mir auch genau angesagt, was ich wann womit zu tun habe. Im Wesentlichen ist er dabei wie bei einem „normalen“ Flugschüler vorgegangen.

Das Video

Video auf Youtube ansehen – Möglicherweise muss der Sichere Modus ausgeschaltet werden. Den kannst du auf Youtube in der Leiste ganz unten finden, ein Stück rechts vom Youtube-Logo.

Die Landungen

1.Versuch

Durchstarten

Durchstarten

Der erste Versuch war für mich persönlich der schwierigste, weil gefühlt alles so schnell gegangen ist. Thomas hat mir genaue Anweisungen gegeben, wie das Flugzeug in Landekonfiguration zu bringen ist, wann ich zum Beispiel die Landeklappen setzen soll, wann ich welche Geschwindigkeit erreichen soll usw. Den Funk hat ebenfalls Thomas übernommen, damit ich mich vollständig auf die bevorstehende Landung konzentrieren konnte.

Für den ersten Versuch finde ich, dass es sehr gut gelaufen ist. Wir haben uns dem Boden genähert, allerdings konnte ich den Abstand zum Boden nicht wirklich gut einschätzen. Deshalb wurde der Versuch letztlich auch zum Problem: wir waren zu hoch, als ich die Geschwindigkeit reduziert habe und deshalb musste Thomas schließlich eingreifen und durchstarten. Prinzipiell hätten wir den Versuch zwar mit großer Wahrscheinlichkeit überlebt, für das Flugzeug wäre der Versuch aber vermutlich nicht gut ausgegangen.

2. Versuch

Konzentration im Endanflug

Konzentration im Endanflug

Der zweite Versuch lief schon etwas besser. Den Abstand zum Boden konnte ich aber trotzdem nicht besser einschätzen, lediglich die Annäherung an den Boden hat anschließend etwas besser funktioniert, sodass wir trotzdem noch aufsetzen konnten. Schließlich war es aber ohne Hilfe von Thomas nicht möglich, die Landung zu schaffen: ganz am Ende musste er noch eingreifen, um ein zu hartes Aufsetzen zu vermeiden.

Immerhin waren wir am Boden angekommen, aber ohne unmittelbares Eingreifen und Hinweisen während der Landung hätte es wohl ebenso nicht geklappt, genauso wie beim ersten Versuch.

3. Versuch

Aufschlag

Aufschlag

Thomas und ich waren uns da recht schnell einig – der dritte Versuch war der beste: Der Anflug hat soweit gepasst, auch die Annäherung an den Boden hat schon deutlich besser funktioniert. Lediglich ganz zum Schluss musste mein Fluglehrer noch ein wenig ziehen und so sicherstellen, dass die Landung nicht zu hart wird. Die Katana hat genau in diesem Moment begonnen durchzusacken.

Auch diesmal sind wir auf den Boden gekommen, besser sogar als beim vorherigen Versuch und dabei wäre sogar der Flieger halbwegs heil geblieben. Das Eingreifen war eher gering und erst ganz am Ende notwendig. Allerdings habe ich relativ viel Piste dabei hinter mir gelassen, während ich die Katana an den Boden angenähert habe. Völlig eigenständig, also ohne Tipps während des Anflugs hätte das aber sehr wahrscheinlich nicht so geklappt.

4. Versuch

Durchstarten

Durchstarten

Beim letzten Versuch wollten wir kein Touch-And-Go mehr, sondern eine Landung bis zum vollständigen Stillstand durchführen. Damit wir dabei die Piste nicht länger als notwendig blockieren, wollten wir auch gleich nach der Landung in die Ausfahrt abbiegen ohne eine „Ehrenrunde“ am Boden zu absolvieren. Für mich bedeutete das, dass die Landung auch entsprechend kurz werden musste. Motiviert vom vorigen Versuch wollte ich das auch unbedingt hinkriegen – und das ist meist die Garantie dafür, dass es nicht klappt. Leider musste Thomas bei dem Versuch recht schnell die Kontrolle übernehmen und durchstarten. Ich habe am Ende des Anflugs die Motorleistung nicht vollständig reduziert und deshalb klappte es natürlich nicht, das Flugzeug heil herunter zu bringen.

Bei diesem Lauf sind wir also nicht gelandet sondern doch noch einmal durchgestartet. Wäre das kein Experiment unter Aufsicht gewesen, hätten wir zwar wahrscheinlich überlebt, aber vermutlich das Bugrad eingebüßt – und damit große Schäden am Flugzeug verursacht.

Fazit

Von Beginn an war klar, dass die Frage „Kann ein Modellpilot ein Sportflugzeug landen?“ nicht einfach zu beantworten ist. In unserem Experiment ist es mir gelungen, in der Hälfte der Versuche das Flugzeug auf den Boden zu bringen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: neben mir saß ein erfahrener Pilot und Fluglehrer, der mich genau im richtigen Moment auf wichtige Dinge hingewiesen hat. Auch noch andere Umstände haben es mir erleichtert, die Landung durchzuführen: wir waren in keiner besonderen Streßsituation, das Wetter war günstig und nicht zuletzt war die Piste außerordentlich lang. Auf einem kleinen Sportflugplatz mit einer kurzen Graspiste wäre sich keine meiner Versuche ausgegangen, nicht einmal ansatzweise. Mein Resümee ist: Vielleicht hat man als Modellflieger leichte Vorteile für die Ausbildung zum Privatpiloten – aber ohne Ausbildung wird man allein wohl kaum eine Chance haben ein Sportflugzeug sicher zu landen.

An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmals bei Thomas Pretterhofer für die Unterstützung bei diesem Experiment bedanken. Ohne dich wären dieses Video und dieser Artikel nicht zustande gekommen!

Wenn euch dieser Post gefallen hat habe ich noch einen Tipp: Thomas startet auch gerade seinen Youtube-Kanal und freut sich so wie wir bei GeekAir über jedes Abo! 🙂

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  1. […] Wahrscheinlich haben sich auch schon andere Modellpiloten gefragt, wie groß der Unterschied zwischen dem Hobby Modellflug und der Großfliegerei wirklich ist. Vor allem denke ich manchmal darüber nach, wie schwer es als Modellpilot eigentlich wäre, ein manntragendes Flugzeug zu landen – zum Beispiel ein Sportflugzeug. In diesem Artikel bin ich der Frage nachgegangen und habe recherchiert, wer das schon versucht hat und was dabei herausgekommen ist. […]

  2. […] Letzte Woche habe ich recherchiert, ob es für einen Modellpiloten auch möglich ist ein großes Flugzeug zu landen. Dabei bin ich auf mehrere Diskussionen im Netz gestoßen und habe auch zwei Fernsehbeiträge zum Thema entdeckt. Aber richtig zufriedenstellend ist es nicht, für dieses Thema nur eine theoretische Antwort zu liefern – und Lösung gibt es dafür nur eine: man muss es selber ausprobieren! […]

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