Flugzeuge mit Querruder
Flugzeuge mit Querruder (Foto: Karin Pichler)

Braucht man Querruder gleich am Anfang?

Bei der Auswahl des ersten Flugmodells stößt man fast unweigerlich auf eine Frage: Möchte man zum Einstieg ein Modell mit oder ohne Querruder fliegen? Volles Programm gleich am Anfang oder lieber schrittweise herantasten an die Modellfliegerei? Dieser Artikel soll die Entscheidung pro oder contra Querruder ein wenig erleichtern und zeigt die Vor- und Nachteile beider Varianten auf.

Zunächst sollten wir uns ansehen, wie man ein Modellflugzeug generell steuert:

Steuern mit und ohne Querruder

Fliegen ohne Querruder bedeutet, dass neben dem Motor für die Steuerung noch zwei Ruderflächen zur Verfügung stehen: das Höhenruder und das Seitenruder. Mit dem Höhenruder kann das Steigen und Sinken gesteuert werden, mit dem Seitenruder steuert man das Gieren, also das Drehen nach links und rechts um die Hochachse. (Die Achsen und Steuerbewegungen sind in diesem Artikel genauer erklärt.) Das Querruder würde schließlich noch Drehungen um die Längsachse (rollen) ermöglichen – aber auch bei Einsteigermodellen ohne Querruder kann man ein Rollen in die Kurve beobachten. In diesem Fall wird das indirekt durch das Seitenruder ausgelöst: die äußere Tragfläche erzeugt in der Kurve leicht mehr Auftrieb als die innere wodurch sich die Außenseite anhebt. Dass das so funktioniert ist vom Design des Modells abhängig, es gibt viele (nicht anfängertaugliche) Flugmodelle, bei denen das so nicht funktioniert und ein Querruder absolut notwendig für einen kontrollierten Flug ist.

Eine Frage der Koordination

Jetzt wissen wir, wie ein Flugmodell mit und ohne Querruder geflogen wird. Fliegen ohne Querruder heißt also: der Pilot muss das Höhen- und Seitenruder sowie den Motor steuern. Fliegen mit Querruder bedeutet: der Pilot muss sich zusätzlich noch um die Bedienung des Querruders kümmern. Ein wichtiger Punkt für den angehenden Modellflieger ist die Frage, wie er/sie seine Fingerfertigkeit und seine Fähigkeit zur Hand-Augen-Koordination einschätzt. Querruder zu haben hat die Konsequenz, eine Achse mehr selber aktiv steuern zu müssen – man muss sich selbst die Frage stellen: Traue ich mir das als Anfänger wirklich zu oder fange ich lieber klein an und steigere mich, wenn ich das erst mal richtig beherrsche?

Es gibt eine Möglichkeit die Komplexität trotz Querruder wieder gering zu halten: Man verzichtet bewusst großteils auf die Steuerung des Seitenruders. Ich kenne einige Piloten, die mit Querruder fliegen und die meiste Zeit auf den Einsatz des Seitenruders verzichten. Hauptsächlich nutzen sie es nur während der Landung, um Seitenwind auszugleichen. Für saubere Kurven sollte zwar auch das Seitenruder entsprechend mit betätigt werden, sonst „hängt“ das Heck nach. Aber wen stört das, wenn man Anfänger ist? Eine Möglichkeit wäre es zumindest, um sich selbst den Einstieg zu erleichtern.

Eigenstabilität

Im Netz habe ich auch die Meinung entdeckt, dass Modelle ohne Querruder noch mehr Eigenstabilität haben, als Anfängermodelle mit Querruder. Da ich mir selber gleich ein Modell mit Querruder ausgesucht habe, kann ich das nur schwer nachvollziehen. Begonnen habe ich mit einer Axion Alpha 139 und bin auch später noch kein Modell  ohne Querruder geflogen, deshalb fehlt mir da der Vergleich. Meiner Erfahrung nach hat die Alpha trotz der Querruder auch ausreichend Eigenstabilität und legt ein gutmütiges Flugverhalten an den Tag. Mag sein, dass bestimmte Modelle ohne Querruder noch mehr an Eigenstabilität mitbringen, ich hatte jedenfalls nicht das Gefühl, dass mir mehr Stabilität am Beginn noch geholfen hätte. Das heißt jedoch nicht, dass es in jedem Fall so sein muss.

Gewöhnung

Aus meiner Sicht hat der Start mit Querruder noch einen großen Vorteil: Jeder, der ohne Querruder anfängt und später ein Modell mit Querruder fliegen möchte muss sich an die neue Steuermöglichkeit erst gewöhnen. Piloten, die schon mit Querruder begonnen haben, können diesen Schritt überspringen. Ich denke, jemand der sich ohnehin beim Steuern schwer tut, wird sich auch schwer tun, wieder umzulernen.

Fazit

Die Entscheidung ein Modell mit Querrudern oder ohne zum Einstieg zu kaufen, ist nicht einfach zu treffen. Was letztlich besser passt, ist von Person zu Person verschieden. Will man gleich lernen mit mehr Möglichkeiten umzugehen oder sich erst schrittweise steigern? Oder vernachlässigt bewusst das Seitenruder zugunsten des Querruders?

Auf alle Fälle zu empfehlen ist es, dass man sich als Anfänger nicht allein auf die Wiese stellt und die ersten Flugversuche unternimmt. Die ersten Versuche werden sonst vermutlich schnell im Boden enden. Lieber einen Bekannten mit Erfahrung um Hilfe bitten oder bei einem lokalen Modellflugverein um Unterstützung fragen – es lohnt sich wirklich und erspart einem viel Ärger und Fehlversuche. Idealerweise hat man einen erfahrenen Piloten als Coach der noch dazu per Lehrer-Schüler-Schaltung notfalls eingreifen kann. Meiner Meinung nach sollte es auch nicht unbedingt ein Holzmodell zum Start sein, eher geeignet wäre eine Schaumwaffel, weil die Reparatur wesentlich leichter fällt. Ich wünsche allen Einsteigern gutes Gelingen und allzeit Happy Landings!

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